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«Kein Rappen für die Software»

Computerprogramme müssen nicht teuer sein. Von der Textverarbeitung bis zum Grafikprogramm ist beinahe alles, was man braucht, kostenlos erhältlich. Auf der Suche nach den Alternativen von Microsoft und Co.

von Mathias Born, 10.02.2005

«Kein Problem», sagt Andreas Halter. Heute könne man ohne weiteres einen Computer mit Programmen bestücken, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen. Für alle wichtigen Aufgaben gebe es die so genannte Opensource-Software, so Andreas Halter vom Organisationskomitee der Lots-Tagung und Markus Wernig von der Linux User Group Bern. Diese gemeinschaftlich entwickelten Programme, bei denen der Code für jedermann zugänglich ist, seien den kommerziellen Pendants heute oft ebenbürtig.

Das richtige System

Welche Programme gehören überhaupt auf einen neuen PC? Zuerst brauchts ein Betriebssystem. Oft ist Windows vorinstalliert – einige Hersteller lassen Privatkunden keine Wahl. Die Alternative zu Windows ist Linux. Dieses Betriebssystem wird von einer grossen Anzahl Programmierern gemeinsam in teils ehrenamtlicher Arbeit entwickelt.

Halter und Wernig lassen keinen Zweifel daran: Ihr Herz schlägt für Linux – aus finanziellen und ideologischen, aber auch aus technischen Gründen: «Windows kann alles, aber nur ‹häbchläb›», sagt Halter. «Linux hingegen kann ich genau auf den jeweiligen Rechner anpassen», doppelt Wernig nach.

Über Suse und Redhat

Wer Linux selbst herunterlädt, bezahlt nichts. Empfehlenswert für Neueinsteiger ist aber eine so genannte Distribution, eine Zusammenstellung von Komponenten. Sie kostet im Laden einige Franken. Dafür erhält der Käufer alles auf CD, was er bei der Installation braucht – und bei Problemen Hilfe. Bei Privatanwendern am weitesten verbreitet sind die Distributionen der deutschen Firma Suse und der US-amerikanischen Redhat. Interessant für Windows-Nutzer ist jene der US-Firma Linspire: Sie sieht ähnlich aus wie Windows und bestehende Programme laufen darauf. Technisch versierte Anwender greifen eher zu Debian oder Slackware; Verwaltung und Schulen setzen auf Mandrake. Welche die richtige Distribution ist, diskutiert man am besten mit einem Kenner – etwa an einer Linux-Installationsparty (siehe Textbox).

Antivirenprogramme

Ob Mac, Windows oder Linux: Letztlich ist es einerlei, welches Betriebssystem man benutzt. Kostenlose Anwendungsprogramme gibts für alle – sei es nun Freeware oder Opensource-Software. Am besten geht man gleich zu Beginn auf Nummer sicher – und installiert sofort einen Virenscanner.

Für Privatanwender kostenlos ist die Antivir Personal Edition, AVH Antivirus oder Clam Antivirus. Zum Schutz vor Eindringlingen wird die Firewall Zone Alarm installiert – auch sie ist für zu Hause in der Basisversion kostenlos. Empfehlenswert ist zudem ein Programm, das vor Spionagesoftware schützt, etwa Adaware.

Anwenderprogramme

Dann werden die Anwendungsprogramme installiert. Für Büroaufgaben raten Halter und Wernig zu Openoffice.org. Das Paket enthält eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, ein Präsentations- und ein Zeichenprogramm. Einzig eine Datenbank fehlt noch. Doch das wird sich im Frühling mit Version 2 von Openoffice.org ändern.

Nun werden Internetprogramme installiert. Es sei wichtig, dass die Software gut vor Eindringlingen schütze, mahnen Halter und Wernig. Deshalb raten sie – speziell unter Windows – zum Opensource-Browser Mozilla Firefox, dem ranken Urenkel des Netscape-Browsers.
Und statt Outlook Express könne das E-Mail-Programm Mozilla Thunderbird installiert werden, das zudem über einen Spam-Filter verfügt. Statt den Instant Messengern von ICQ, AOL, Yahoo oder MSN könne man Gaim einsetzen – ein Opensource-Programm, das mit den anderen Messengern kommuniziert.

Nun fehlen noch einige Multimediaprogramme: Die Alternative zum Photoshop von Adobe ist das Opensource-Programm Gimp. Und wer Ton schneiden will, installiert Audacity.

Das ist eine Revolution

Es gibt Tausende weitere Programme, bei denen der Code für jedermann zugänglich ist. Und es werden immer mehr. Langsam setze sich Opensource durch, sagt Halter. «Das ist eine Revolution. Wir stehen erst ganz am Anfang.»

Zusatzinfos

Gratis ist nicht gleich frei: Software, die in der Anschaffung nichts kostet, wird oft als Freeware bezeichnet. Sie wird teils aus ideologischen Gründen verschenkt, oder weil sich damit kein Geschäft machen lässt. Oft handelt es sich bei Freeware aber auch um Lockvogelangebote: Die Anwender sollen später die kostenpflichtige Vollversion kaufen. So genannte Adware wird durch eingeblendete Werbung finanziert. So weit, so harmlos. Freeware kann aber auch gefährlich sein: Einige Programme spionieren den Computer und die darauf gespeicherten Daten aus, ohne dass der Nutzer etwas davon merkt. Und in einigen sind Viren versteckt, die den Computer für weitere Angriffe nutzen. Deshalb ist bei der Auswahl von Freeware Vorsicht geboten.
Viel sicherer ist Opensource-Software. Auch diese Programme können kostenlos benutzt werden. Anders als bei der Freeware kann aber jedermann den Programmcode ansehen und daran weiterarbeiten. Da Opensource-Software meist von mehreren Programmierern gemeinsam entwickelt wird, ist die gegenseitige Kontrolle gross: Hier lassen sich kaum Virenschleusen einbauen. mbb

Linux installieren – aber welches Linux-Programm? Die Linux User Group Bern führt am Samstag, 19. Februar, zwischen 14 und 17 Uhr einen Linux Install Event durch. Mitglieder der Nutzergruppe beraten Interessierte – und helfen ihnen anschliessend bei der Installation des Systems. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Tagung «Let’s open the source» (Lots) im Hauptgebäde der Universität Bern statt. Dort treffen sich vom 17. bis 19. Februar Opensource-Interessierte. Die Workshops am Donnerstag richten sich vorab an Profis. Auch für Einsteiger interessant können hingegen Referate an den anderen Tagen sein: Am Freitag werden Fragen um den Einsatz von Opensource-Software in Firmen thematisiert. Am Samstag steht die Opensource-Szene im Mittelpunkt. Der Eintritt kostet am Freitag 40 und am Samstag 10 Franken. Informationen zur Lots-Tagung gibt es unter www.lots.ch.
Die Links zu den Programmen, die auf dieser Seite erwähnt wurden, sind unter www.espace.ch/opensource zu finden. Eine Sammlung von Opensource-Software kann man auf CD für rund 12 Franken bei www.opensource-cd.org bestellen.mbb