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«Der Bund», Ausgabe vom 19. Februar 2004
Die Open-Source-Veranstaltung Lots an der Universität Bern zeigt Alternativen zu Microsoft - Die offene Software gewinnt immer mehr Anhänger. Der Hauptgrund liegt nicht bei den tieferen Kosten, sondern bei der Unabhängigkeit. Die Nutzer suchen eine Alternative zu Microsoft, wie eine Tagung an der Universität Bern zeigte.
Hans Galli
Microsoft dominiert den weltweiten Softwaremarkt. Die Bewegung für offene Software (Open Source) wird aber immer stärker. Insbesondere das gratis vertriebene Betriebssystem Linux macht dem Branchenleader zu schaffen. Die alternative Software wird auch bei Studierenden immer beliebter. Deshalb erstaunt es nicht, dass die erste grosse Schweizer Linux-Veranstaltung gestern an der Universität Bern stattfand.
Unter dem Titel «Lots – Let’s Open the Source» standen 40 Referate und Workshops auf dem Programm. Ein Dutzend Firmen und eine Reihe von Organisationen aus dem Open-Source-Bereich präsentierten sich in den Gängen des Hauptgebäudes. Während die Vorträge gut besucht waren, hätten sich die Firmen etwas mehr Kundenkontakte gewünscht.
Im Büro noch wenig verbreitet
In der Schweiz setzen heute bereits 70 Prozent der Unternehmen offene Software in irgendeiner Form ein. Das zeigt eine Umfrage von Cambridge Technology Partners bei 450 der grössten Schweizer Unternehmen. Mehr als die Hälfte haben auf einem oder mehreren Rechnern das Betriebssystems Linux eingesetzt. Die Hälfte der Schweizer Web-Server verwendet die Apache-Software – weltweit sind es sogar 60 Prozent. Breit eingesetzt werden Open-Source-Plattformen in der Softwareentwicklung. Anders sieht es dagegen bei den einzelnen Arbeitsplätzen aus: Nur 7 Prozent der Firmen haben OpenOffice oder StarOffice installiert. Sogar nur 2 Prozent sind es bei der Kundenverwaltung. Die Hälfte der Befragten erklärte, sie könnten sich nicht vorstellen, je OpenOffice einzusetzen. Beim Kundenmanagement sind es sogar zwei Drittel.
Offene Software sei nicht nur für die grossen, sondern auch die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eine echte Alternative, sagte dagegen Marcus Dapp, Doktorand an der ETH Zürich. Er empfahl den Firmen, schrittweise umzusteigen. Mitarbeitende, welche sich für offene Software interessierten, sollten erste Erfahrungen sammeln. Dann könne eine Gruppe um die andere nachfolgen. Der Aufwand für die Einführung der offenen Software und die Schulung dürfe nicht unterschätzt werden, sagte Dapp. Deshalb wäre eine Firma kaum in der Lage, von einem Tag auf den andern Windows und Microsoft-Office durch Linux und OpenOffice zu ersetzen.
Microsoft nachempfunden
OpenOffice und StarOffice sind dem Office-Paket von Microsoft nachempfunden. OpenOffice kann zwar Word-Dokumente lesen und Texte auch im Word-Format abspeichern. Aber die Dokumente sind doch nicht deckungsgleich. «Es handelt sich nur um eine Annäherung, weil Microsoft den Quellcode nicht offen legt», sagte Hellmuth Broda von Sun Microsystems. Sun vertreibt StarOffice und bezeichnet sich als jene Firma, welche am meisten Inputs für die Open-Source-Bewegung liefere.
Mozilla Europe gegründet
Neben den Office-Paketen und Linux sorgt der Internetbrowser Mozilla in der Open-Source-Bewegung für den meisten Gesprächsstoff. Die Wurzeln von Mozilla reichen zu Netscape zurück. Der einst dominierende Browserhersteller gab 1998 seinen Quellcode frei. Seither arbeiten weltweit Tausende von Programmierern an der Verbesserung des Browsers. Heute wird das Mozilla-Projekt von der 2003 gegründeten Mozilla Foundation getragen. Diese Woche sei Mozilla Europe gegründet worden, sagte der Berner Open-Source-Spezialist Andreas Halter. Die Stiftungen seien zwar nicht gewinnorientiert. Aber das Mozilla-Projekt werde von Firmen wie AOL, IBM und Sun mit namhaften Beträgen unterstützt.
Tiefere Kosten und höhere Sicherheit wurden in der Cambridge-Umfrage als Vorteile der offenen Software genannt. Die Lizenzkosten sind tief oder sogar null. Das Hauptproblem ist jedoch, dass die Anwender beim Support oft auf sich allein gestellt sind. Weltweit arbeiten Tausende von Programmierern aus Spass gratis an offener Software. Aber es gibt keinen «Hersteller» mit einem Kundendienst. Ausnahmen bilden Sun und Novell. Novell hat Ende 2003 den deutschen Linux-Anbieter Suse übernommen.
«Frei von Fesseln»
Das Hauptargument für die Wahl offener Software ist gemäss der Cambridge-Umfrage die Unabhängigkeit. Firmen wollen nicht einseitig auf Microsoft angewiesen sein. «Freie Software bedeutet nicht gratis, sondern frei von Fesseln», sagte auch Sun-Technologiespezialist Hellmuth Broda.
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