Mittwoch, 18. Februar 2004
Universität Bern

 
 
 
 




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«Die FOSS-Szene Schweiz hat eine Messe»

«IT Business», Ausgabe vom März/April 2004


Mit rund 500 Besuchenden hat der erste LOTS-Event am 18. Februar 2004 an der Universität Bern stattgefunden. Zahlreiche Fachreferate und Workshops sowie die Firmen- und Projektaussteller bildeten ein informatives und abwechslungsreiches Tagesprogramm.

Matthias Stürmer

Linux, Open Source & Co. sind in aller Munde. Die vie1 versprechende Weise, frei verfügbare Software mit offenem Quellcode (FOSS: Freie und Open Source Software) herzustellen, zu vertreiben und anzuwenden, beinhaltet Chancen, die bis anhin mit proprietärer Software nicht möglich waren. Beispiele sind die verringerte Abhängigkeit gegenüber den Software-Herstellern oder die ungehinderte Anpassbarkeit des Programmcodes. Neben diesen und weiteren Möglichkeiten von FOSS besitzt diese Softwarelizenzierungsweise aber auch Grenzen. Eine davon ist meist das Nicht-Vorhandensein einer Marketing-Abteilung, die das Image der Software fördert und deren Bekanntmachung und Verbreitung unterstützt. Genau diese Funktion will die FOSS-Messe „LOTS - Let’s Open the Source“ übernehmen.

Der erste LOTS-Event fand am 18. Februar 2004 im Hauptgebäude der Universität Bern statt und durfte mit rund 500 Besuchenden als ein Erfolg bezeichnet werden. In nur vier Monaten Vorbereitungszeit, seit dem Kickoff Meeting im Oktober 2003, konnten die Organisatoren anhand der eingereichten Anträge ein volles Vortragsprogramm von 29 Fachreferaten und 6 Workshops zusammenstellen. Dabei engagierten sich zahlreiche Persönlichkeiten aus der nationalen und internationalen FOSS-Szene. Dr. Wolfgang Maass von der Universitat St. Gallen stellte beispielsweise eine Studie vor, welche die aktuelle und zukünftige Verwendung von FOSS in Schweizer Unternehmen dokumentiert und deren stetig wachsenden Stellenwert in den Firmen aufzeigt. Michael Wechner von der Zürcher Software-Unternehmung wyona wiederum berichtete über interne Aspekte der FOSS Community und beschrieb die Organisationsstrukturen der renommierten Apache Software Foundation, deren bekanntestes Projekt der Apache Web-Server ist.

Aber auch im Ausstellungsteil des LOTS- Events zeigte sich eine Vielzahl von Akteuren der FOSS Szene. Über ein Dutzend Unternehmen präsentierte ihre Produkte und Dienstleistungen im Zusammenhang mit FOSS-Projekten, unter anderem Oracle ihre auf Linux basierende Serverplattform und Novell den SuSE Linux Enterprise Server. Neben der Firmenausstellung eröffnete sich den Besuchern in den FOSS-Projekträumen ein breites Spektrum von Software-Projekten, die zum Teil gleich von deren Autoren selbst oder von aktiven Community-Mitgliedern vorgestellt wurden. Sowohl etablierte FOSS-Projekte wie beispielsweise Open Office.org oder MySQL als auch neuere Applikationen wie die CRM-Software openCRX von Crixp oder die Zeiterfassungssoftware foresite PRS von foresite Systems wurden den Besuchenden vorgeführt. So konnte die ursprüngliche Vision des LOTS-Organisationskomitees, dass sich Anwender und Entwickler von FOSS-Projekten persönlich treffen, tatsächlich auch umgesetzt werden.

Ebenfalls zentral für die FOSS Community sind die bereits bestehenden Organisationen und Vereine, welche sich für die Förderung von FOSS und deren Umfeld einsetzen. Dies sind zum einen die diversen technisch orientierten User Groups wie die PHP UG oder die Linux User Group Bern, zum anderen auch Institutionen wie die /ch/open, welche sich für offene Standards einsetzen oder der Verein openlaw, der sich mit rechtlichen Fragestellungen bezüglich freier Software befasst. Sie alle waren mit engagierten Vertretern am LOTS-Event präsent und konnten kompetent über die jeweiligen Fachbereiche informieren.

Vor allem gegen Abend wurde des Öfteren die Frage gestellt ob es im Jahr 2005 wieder einen LOTS-Event gäbe. Ja, von dieser Annahme kann ausgegangen werden. Das Organisationskomitee um Matthias Stürmer, Michael Moser und Urs Gehrig wird sich in den folgenden Wochen intensiv mit der detaillierten Auswertung des ersten LOTS-Events befassen und noch im Frühling das Konzept für die nächste LOTS-Veranstaltung vorlegen. Es ist zu erwarten, dass unter anderem der Anlass auf die Dauer von mehreren Tagen ausgedehnt wird, denn mit den acht parallelen Programmteilen der diesjährigen Veranstaltung wurden die Besuchenden zu oft vor die Qual der Wahl gestellt.

Dokumente

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lots_presse_itbusiness20040301.pdf (605.9 kB)